Dr.  JAVAD NURBAKHSH´s
"JESUS IN DEN AUGEN DER SUFIS"

Jesus verkörperte als Prophet Gottes vollkommen die menschlichen Eigenschaften von Aufrichtigkeit, Reinheit, Liebe und Wohltätigkeit.

Der Prophet Mohammed hat Jesus immer als Bruder angesehen und ihn wiederholt mit höchster Ehrerbietung erwähnt.

Dennoch haben sowohl islamische als auch christliche Führer aus politischen Gründen oder aus eigenem Vorteil dieses brüderliche Gelübde immer wieder übergangen und es praktisch vergessen lassen. Nur den Sufis ist es wegen ihrer Freiheit von Vorurteilen und ihrer inneren Reinheit gelungen, dieses Wissen trotz der Indoktrinierungsversuche durch fanatische und extremistische Geistliche zu erhalten. Die Sufis haben die Erinnerung an Jesus, wie er wirklich war, zu bewahren versucht. Sie haben Jesus in ihrem Geist und ihn in ihrem Herzen lebendig erhalten.

So ist auch in der Literatur der Sufis Jesus der Inbegriff eines vollkommenen Menschen und das Musterbeispiel eines wahren Meisters. Durch die Jahrhunderte haben Sufimeister aus reinster Aufrichtigkeit und Liebe, nur Lob für Jesus gekannt. Sie haben Jesus als vollkommenen Sufi dargestellt. Das Studium der Schriften von Sufis enthüllt, dass Jesus in den Erzählungen und Lehrgesprächen ausnahmslos als vollkommener Meister dargestellt wird. Man findet kaum einen Sufi-Dichter, in dessen Versen Jesus nicht zitiert wird.

Diese hohe Wertschätzung der Sufi für Jesus hat mich dazu veranlasst, die Werke der Sufi-Mystiker gründlicher zu studieren, dabei sollten die Ergebnisse für alle Gottesverehrer und Interessierte zugänglich gemacht werden. Da ich gegenwärtig in den Vereinigten Staaten lebe, wo ich keinen Zugang zum gesamten vorliegenden Material habe, wurden meine Forschungsarbeiten leider etwas beeinträchtigt. Dennoch habe ich mein Bestes getan, um etwas zusammenzustellen, was Moslems dazu veranlassen sollte, mehr über Jesus nachzudenken und Christen dazu veranlassen sollte, sich den Islam näher zu betrachten und in Unwissenheit kein vorschnelles Urteil abzugeben.

Der Geist Jesu war in der Ethik und auch dem Verhalten der Sufis im alltäglichen Verhalten immer maßgebend, sodass uns bewusst sein sollte, dass der Sufismus der Lehre Jesu sehr viel zu verdanken hat.

Nur Gott ist ewig.

Dr. Javad Nurbakhsh            5.April 1982  -  16. Farwardin 1361

Aus der INHALTSANGABE:

EIN GLOSSAR VON BEGRIFFEN DER SUFIS, DIE SICH AUF DAS CHRISTENTUM BEZIEHEN

JESUS EIGENSCHATEN UND CHARAKERISTIKA

JESUS UND DER ANTICHRIST

GOTTES WORTE AN JESUS
JESU GEBET
DIE WORTE JESU
GESCHICHTEN ÜBER JESUS IN DEN BÜCHERN DER SUFIS

Die Sufis sagen, dass der erhabenste aller von Gott verliehenen Beinamen `Abdo´llâh sei, was soviel wie Sklave Gottes oder Verehrer Gottes bedeutet. Nur zwei von Gottes Propheten waren auserwählt, diesen Beinamen zu erhalten:

Mohammed („Und da sich Allahs Knecht erhob.“(LXXII:19) und

Jesus („Siehe, ich bin Allahs Diener. Gegeben hat er mir das Buch.“ (XIX:30)).

 

 

Das Erbe Jesu ist der gedeckte Tisch der Sufis.

Hab acht, o Kranker, verlasse diese Schwelle nie.

HÂFIS

Siehe, siehe, o Muslim, den Christen

und befreie deinen Geist von Befangenheit,

 dieser unbesonnenen, voreiligen Heftigkeit.

Was ist dein wirkliches Interesse?

Du gibst vor, der wahre Gläubige zu sein, weil du Mohammed folgst.

Den Christen nennst du „Ungläubiger,“ weil er Jesus folgt.

In Wahrheit sind doch beide Propheten, beide Freunde.

Warum, warum – dieser dumme Hass auf die Christen?

 

NÂSER KHOSRAU

 

 

Würde uns der Heilige Geist noch einmal seine Gnade schenken,

würden auch andere die Werke Christi vollbringen.

HÂFEZ

          Die Sufis sagen, dass Jesus durch den Atem des Heiligen Geistes aus Maria geboren wurde und daher auch keinen leiblichen Vater hatte.

Der Koran beschreibt die Belebung des Menschen durch Gott als Einhauchen des Geistes Gottes in die menschliche Gestalt *, und benutzt den gleichen Ausdruck für die Zeugung Jesu wie für die Schöpfung Adams, nämlich einen Hauch des Göttlichen Atems – was die Gnade des Heiligen Geistes bedeutet.

Zweifellos wird niemand vaterlos geboren;

Es gibt nur einen Jesus auf der Welt.

SHABESTARI

 

* “Und ihm von Meinem Geist eingehaucht habe...“(XV:29 und XXXVIII:72)

* Vergleichen Sie bitte auch H. E. BENEDIKT: DIE KABBALA als jüdisch-christlicher Einweihungsweg / Band 2: Der Lebensbaum – Spiegel des Kosmos und des Menschen Seite 305 / Abb. 81: Die Empfängnis des Heiligen Geistes

          * Vergleichen Sie bitte auch R. FEILD: „Ich ging den Weg des Derwisch“ (Englische Originalausgabe: „The Last Barrier“) und das Wissen, das ihm auf          seiner Reise und von `HAMID´ übermittelt wurde.

 

Wenn Jesus, der Geist der Liebe hochsteigt,

wird er nie mehr seine Flügel nach unten richten,

um in das Reich der Mühen zurückzukehren.

RUMI, DIWÂN-E SHAMS

Die englische Originalausgabe erschien unter dem Titel: „Jesus in the Eyes of The Sufis“

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