Askese und Enthaltung im Sufismus

Um auf diesem Pfad reisen zu können, schöpft der Sufi Kraft aus korrekter natürlicher Nahrung. Man sagt, daß, was auch immer der Sufi ißt, verwandelt sich in geistliche Qualitäten und Licht. Jedoch die Nahrung der Anderen stärkt nur deren Wünsche und Ängste, ihre egoistischen Neigungen und bringt sie weiter von der Wahrheit weg. Wie Rumi sagt:

Dieser ißt,
und nur Geiz und Neid entstehen.
Während jener ißt,
und es entsteht das Licht des Einzigen.
Dieser ißt,
und nur Verunreinigung entsteht.
Während jener ißt,
und es entsteht das Licht Gottes.

 

 

 

 

 

 

Es ist klar, daß der Sufismus nicht auf asketischen Übungen wie Enthaltung von Nahrung basiert. In unserer Schule wird der Reisende auf dem Weg Gottes nur angewiesen, sich der Nahrung zu enthalten, wenn er krank ist oder in übermäßiger Begierde oder Furcht verfangen. In diesem Fall erlaubt der Meister oder der geistlicher Führer demjenigen für einen kurzen Zeitraum vom Essen zu lassen und ordnet stattdessen an, daß er sich auf geistliche Übungen konzentriert. Auf diese Weise wird der Überfluß verwandelt und das Innenwesen des Suchers wird harmonisch. So wird dem Derwisch ermöglicht, den gefährlichen Aufstieg zur Unendlichkeit fortzusetzen.

Manche glauben, daß durch Fasten die für die Reinigung notwendige Stärke erreicht wird. Im Gegenteil, im Sufismus ist Abstinenz alleine nicht genug, um das Selbst zu reinigen. Es ist wahr, daß Askese und Abstinenz einen gewissen geistlichen Zustand ergeben und in diesem Zustand die Wahrnehmung geklärt werden kann. Aber, wenn man das ( Ego) Selbst mit einem Drachen vergleicht, wird er durch Fasten schwach, es ist aber selbsverständlich, daß der Drache, wenn das Fasten gebrochen wird und genug Nahrung gegessen wird, wieder stärker wird, als jemals zu vor. Und darüber hinaus versucht der Drache, seine Begierden wieder zu befriedigen.

Im Sufismus wird das Selbst (Ego) durch den geistlichem Pfad ( Tariqat) allmählich gereinigt und in göttliche Attribute transformiert, bis nichts vom zwanghaften Selbst übrig bleibt. Dann ist alles was bleibt das perfekte, göttliche Selbst. Bei solch umfangreicher und genauer Arbeit werden Askese und Abstinenz praktisch wertlos.





Zusammenfassung

 

Ende des 14. Jahrhunderts Gründung des Ni'matullahi-Orden durch Shah Ni'matullah (1330-1431)
Shah Ni'mathullah wurde in Aleppo/Syrien als Sohn eines Sufi-Meisters geboren, dessen Stammbaum bis zum Propheten zurückreicht. Er reiste viele Jahre durch die islamische Welt, traf zahlreiche Meister und diente sieben Jahre Sheih Abdollah Yafei, bevor er selber Meister wurde.
Die fünf grundlegenden Disziplinen des Ni'matullahi-Ordens sind:

1: Dhikr (Gedenken an Gott im Herzen),

2: Fekr (Versenkung und Kontemplation),

3: Moraqebe (Meditation),

4: Mohasebe (Selbstprüfung) und

5: Verd (Anrufung).


Ein grundlegendes Prinzip dieser Tariqa (sufischer Pfad, geistiger Weg) ist die "Abgeschiedenheit in Gesellschaft anderer": Die Mitglieder lernen inmitten des öffentlichen Lebens den mystischen Pfad kennen.
Der Dienst an anderen Menschen ist eine Gelegenheit der spirituellen Weiterentwicklung. Untätigkeit wird grundsätzlich abgelehnt.
Seit 1953 ist der Iraner Dr. Javad Nurbakhsh Meister des Ordens. Bis zu seinem Ruhestand war er Professor an der Psychiatrischen Abteilung der Universität Teheran. Er schrieb zahlreiche Bücher über den Sufismus, die auch auf deutsch übersetzt wurden.
Bis in die 70er Jahre dieses Jahrhunderts war der Ni'matullahi-Orden nur in Iran verbreitet.
Seither haben Amerikaner und Europäer, die in den Orden eintraten, nach der Rückkehr in ihr Heimatland begonnen, Versammlungsorte des Ordens einzurichten. Das erste Versammlungshaus außerhalb Irans wurde 1975 in San Francisco eröffnet. Mittlerweile gibt es 10 in Nordamerika, 7 in Europa, 2 in Afrika und eines in Australien. Im deutschsprachigen Raum gibt es nur ein Khaniquah in Köln. Die Sufis treffen sich zweimal wöchentlich zur gemeinsamen Meditation.
Der Leiter Dr. Nurbakhsh lebt seit 1991 in London.


Khaniqahi Nimatullahi - Khaniqahi Nimatullahi Publication - Sufi Journal - Centers


EMail: sufi@sufi.at
Khaniqahi Nimatullahi