Der Nimatullahi Sufi-Orden

Dr. Alireza Nurbakhsh ist der gegenwärtige Meister des Nimatullahi Sufi Ordens. Er promovierte an der Universität Wisconsin im Fach Philosophie und ist als Rechtsanwalt in London tätig. Dr. Alireza Nurbakhsh trägt den Sufi-Namen Reza `Ali Shah.

Oh Herz, es gibt, aber ein Weg zu lieben;
im Land der Liebe der Sklave und der König sind Eins.
Solange Du die Dualität auf dem Pfad der Liebe nicht aufgeben hast,
kannst Du begreifen, Nimatullah ist, nur Eins.
- Schah Nimatullah Wali

 

Wie alle anderen Sufi-Orden entstammt der Nimatullahi-Orden einer ursprünglichen Reihe von Orden und geht auf den Anfang des Islam zurück. Das Wort Nimatullah beruht auf dem Namen des Schah Nimatullah Wali, der die Orden am Ende des 14. Jahrhunderts A.D. gründete und der einer der größten Sufimeister des Iran war.

Das Leben des Shah Nimatullah

Die Lehren des Schahs Nimatullah

Geistliche Prinzipien des Nimatullahi-Ordens

Geschichte vom Nimatullahi-Orden



Das Leben des Shah Nimatullah

Schah Nimatullah wurde in 1330 A.D. (731 A. H.) in Aleppo, Syrien geboren. Sein Vater, Mir'Abdo ' llah, war er selbst ein Sufimeister und ein descendent vom Propheten. Seine Mutter war von einer stattlichen Familie von Fars(Pars) in Südiran. Schah Nimatullah reiste ausgiebig in der islamischen Welt und hat zahlreichen Meistern getroffen und wurde mit dem wichtigen Vorstellungen seiner Zeit, besonders den philosophischen Ansichten von Ebn'Arabi vertraut. Er studierte Ebn'Arabis Fosus al Hekam und schrieb ausgiebig und später in seinem Leben mehrere Kommentare zu diesem Buch. Am Ende der ersten Periode seiner Reisen traff er Shaykh'Abdo 'llah Yafe' i in Mekka und wurde sein Jünger. Nach dem Dienen von Shaykh Yafe 'für sieben Jahre, Schah Nimatullah begann eine zweite Periode von Reisen innerhalb der islamischen Welt. Dieses Mal jedoch ging er nicht als ein durstiger Sucher in Suche von einem perfekten Meister, aber als ein perfekter Meister, der den geistlichen Durst von anderen löschte. In dieser zweiten Periode von Reisen Schah Nimatullah setzte sich zuerst in Ägypten, dann ging zu Transoxiana wo er sich in Shahr-e Sabz in Samarqand niederließ. Es war hier, daß er den großen Eroberer, und Wahnsiniger Tamerlane traf, das jedoch außerstande war, Schah Nimatullah zu schätzen, und so, um Schwierigkeiten zu vermeiden, Nimatullah beschloß, Shahr-e Sabz zu verlassen und nach Herat zu reisen. Von dort reiste er zu Mashhad, dann wohnte für eine Weile in Baft nahe der Stadt von Yazd, dann blieb für eine Weile in Kuh-banan in der Umgebung von Kerman. Von dort ging er nach Kerman und schließlich, ließ er sich in nahegelegenem Mahan nieder, wo er die letzten fünfundzwanzig Jahre seines Lebens blieb. Während des Aufenthalts des Schahs Nimatullah in Mahan verbreitete sein Ruhm überall in den Regionen vom Iran und Indien mit Pilgern, die von allen herüberkamen, um ihn zu besuchen. Schah Nimatullah lebte beinahe hundert Jahre. Er starb in 1431 A.D. (834 A. H.) und wurde in Mahan begraben.

Die Lehren des Schahs Nimatullah

Im Reich des Sufismusus wurde wegen der Bestrebungen des Shah Nimatullah dem Sufismusus und den Sufis neue Achtung entgegengebracht. Zusätzlich zum Führen einer großen Anzahl von Jüngern beschäftigte er sich damit, Landwirtschaft zu betreiben und diente seinen Jüngern als Vorbild beim Nachgehen eines Berufs als der besten Form der Selbstdisziplin. Er demonstrierte aktiv, daß diese Art, das Herz zu reinigen und das Selbst zu vergessen, im Dienste der Gesellschaft und der Hilfsbereitschaft gegenüber anderen Menschen liegt. Unter seiner Führung lernten die Jünger inmitten des Lebens in der Gesellschaft sich mit Gott zu beschäftigen und das Prinzip der 'Einsamkeit in der Gesellschaft der Anderen' zu praktizieren. Seinem Beispiel folgend, verließen seine Jünger die Abgeschiedenheit und Zurückgezogenheit als ihr hauptsächliches geistliches Verfahren und umarmten das Leben mit konstruktiver Tätigkeit.Der Widerstand des Shah Nimatullah gegen Apathie und Lethargie erstreckte sich bis hin zum Verbieten von Opium und Haschisch unter seinen Jüngern zu eine Zeit, als dieses weithin von gewöhnlichen Leuten und Sufis verwendet wurde. Eine andere Innovationen des Shah Nimatullah neben der Anweisung, daß seine Jünger einen Beruf haben sollten, war sein Verbot des Tragens von auffälliger Bekleidung in der Öffentlichkeit, welche Aufmerksamkeit auf sie lenken würde. Es war seine Ansicht, daß, um sich innerlich zu entwickeln, der Sufi von jeder Art der Vorstellung oder des Vorwands frei sein muß; er sollte 'Farblosigkeit' anstreben. Für Shah Nimatullah bestand Edelkeit darin, daß göttliche Attribute nicht eines bestimmten Zubehörs oder einer besonderen Form der Bekleidung bedürfen. Shah Nimatullah war nicht nur offen zu allen Suchenden und Anwärtern und zu seinen eigenen Anhängern, sondern er erwies auch allen Nationen und Menschen und anderen Sufi-Orden seiner Zeit Achtung, da seine Taten auf einem Code von Reinheit und Treue basieren. Shah Nimatullah folgte seinen Vorgängern nicht beim Trennen des tariqats (des geistlichen Pfads) vom shari ' at (das islamische Gesetz) wegen seiner Überzeugung, daß das haqiqat (Realität) nur durch Integration der beiden erlangt werden könnte.


Geistliche Prinzipien des Nimatullahi-Ordens

Die Tatsache, daß der Nimatullahi-Orden während der Zeit des Shah Nimatullah so verbreitet und beliebt wurde, ist in erster Linie auf seine Annäherung an den Sufismusus und die charismatische Persönlichkeit des Shah zurückzuführen.Nachfolgende Meister des Nimatullahi-Ordens haben erfolgreich die Tradition fortgesetzt, das soziale und geistige Leben zu vereinen. Allgemein gesagt, basiert die geistige Methode des Nimatullahi-Ordens auf dem Anrufen von Gott und der Erinnerung an Gott (zekr), der Widerspiegelung (fekr), der Selbstprüfung (mohasebeh), der Meditation (moraghebe) und des Rezitierens (werd), während die bedeutenden sozialen und ethischen Aspekte zusammen mit einigen Geboten und Regeln für das Managen des geistigen Zentrums (khaniqahs), folgende sind:

1. Ablehnung der Abgeschiedenheit und Bevorzugung des inneren Rückzugs innerhalb der Gesellschaft der Anderen. Es gibt jedoch bestimmte Ausnahmen, wie etwa, wenn eine Person seine oder ihre psychologische Gesundheit zurückgewinnen will, wird darum gebeten, gewisse Zeit zum Rückzug auf dem Wege der Therapie zu gewähren.

2. Strenge Mißbilligung der Verwendung von Haschisch- und anderen Drogen dieser Art.

3. Erfordernis konstruktiver Aktivität an jene Sufis, die untätig und entmutigt sind.

4. Tragen von konventioneller Kleidung , so daß man nicht das Objekt der Aufmerksamkeit wird oder sich einer Affektiertheit unterwirft.

5. Gefühlvoller Respekt vor Personen jeder Rasse und Religion, während das Leben der Liebenswürdigkeit gegenüber den Kreaturen Gottes gewidmet ist.

6. Der Meister und die shaikhs des Ordens initiieren und führen alle Suchenden, die es wert sind und weisen niemenden zurück.

7. Tendenz zur Praktizierung des zekr im Herzen in Versammlungen des Ordens anstatt stimmlichem zekr.

8. Eintreten für Frieden, Brüderlichkeit und Gleichheit der Sufis im Orden. Vor allem gibt es keinen Unterschied zwischen Männern und Frauen.

9. Der Meister und die Shaikhs des Ordens erhalten weder Geld von ihren Anhängern noch geben sie ihnen Geld. Es wird außerdem nicht verlangt, daß die Jünger eine regelmäßige Gebühr bezahlen, und, welchen Beitrag immer auch eine Person macht, dieser wird ganz für die Gemeinschaft verwendet.

10. Die geistlichen und finanziellen Angelegenheiten von Khaniqahs werden normalerweise von Shaikhs verwaltet, die vom Meister bestimmt werden. In Fällen, wo es kein Shaikhs gibt, wird eine Person vom Meister dazu bestimmt, solche Angelegenheiten zu beaufsichtigen.

11. Ein Khaniqah ist eine nicht gewinnbringende Wohltätigkeitseinrichtung, die allen Mitgliedern gehört, und sie wird vom Meister und den Shaikhs des Ordens entsprechend den Gesetzen des Landes geführt, in dem sie sich befindet.

12. Bei bestimmten Anlässen, wie etwa Reisen, Essen in Gegenwart oder mit dem Meister oder einem Shaikh , werden bestimmte Personen zum Bedienen erwählt. Solche Personen werden normalerweise entsprechend ihres geistlichen Fortschritts auf dem Pfad ausgewählt. Die Nimatullahi-Darvishe sind der Ansicht, daß das Bedienen anderer Menschen eine Möglichkeit zu geistlichem Fortschritt zu gelangen ist.

13. Wenn Sufis zusammen kommen oder zusammen leben, basiert ihre Beziehung auf Gleichheit. Vor allem hat kein Sufi das Recht, anderen Sufis Anweisungen zu geben, und jedermanns Beitrag basiert auf seiner oder ihrer Leistungsfähigkeit.

Geschichte vom Nimatullahi-Orden

Nach dem Tod von Shah Nimatullah lebten die Meister des Nimatullahi-Ordens in Indien bis zum Ende des 18. Jahrhunderts A.D. (12. Jahrhunderts A. H.). Das Zentrum des Nimatullahi-Ordens wurde 1775 A.D. (1190A.H.) mit der Ankunft des Sayyed Ma'Sum' Alishah Dakkani zurück in den Iran verschoben. Bis vor einiger Zeit gab es den Nimatullahi-Orden einzig im Iran und die Mehrheit der Nimatullahi-Sufis waren Iraner.Dr. Nurbakhsh wurde 1953 Meister des Nimatullahi-Ordens, als sein Meister, Munes'Ali Shah Dho'r Riyasatain davonging.In den letzten 35 Jahren hat Dr. Nurbakhsh mehr als hundert Khaniqahs und zahlreiche Bibliotheken und Museen überall im Iran gegründet. In den 70`ern kam eine Vielzahl von Amerikanern und Europäern in den Iran und wurde in den Nimatullahi-Orden eingeweiht.Nach ihrer Rückreise in ihre jeweiligen Länder brauchten sie einen Ort, um zusammenzukommen. Dementsprechend wurde die erste Khaniqah außerhalb des Irans 1975 in San Francisco gegründet. Seit dieser Zeit wurden mehrere Khaniqahs in den Vereinigten Staaten, Westeuropa, Afrika und Australien gegründet. Diese geistlichen Zentren wurden als nicht gewinnbringendende Wohltätigkeitseinrichtungen gegründet und ihre finanziellen Angelegenheiten werden von den Regierungsagenturen kontrolliert , die für solche Organisationen verantwortlich sind. Der finanzielle Bedarf jeder Khaniqah wird von den Sufis gehandhabt, die in ihnen leben, und zwar auf die Art, daß die ansässigen Sufis einen monatlichen Beitrag leisten, der die Kosten der Khaniqah deckt. Welcher Überschuß auch immer erwirtschaftet werden kann, er wird in Richtung der Errichtung neuer Khaniqahs verwendet. Dr. Nurbakhsh lebt seit 1983 in England und er empfängt Leute aus allen Länden der Welt und hat eine Vielzahl von Büchern über den Sufismusus herausgegeben.


Dr. Alireza Nurbakhsh ist der gegenwärtige Meister des Nimatullahi Sufi Ordens. Er promovierte an der Universität Wisconsin im Fach Philosophie und ist als Rechtsanwalt in London tätig. Dr. Alireza Nurbakhsh trägt den Sufi-Namen Reza `Ali Shah.

 

Dr. Javad Nurbakhsh ist fast 50 Jahre lang Meister des Nimatullahi Sufi Ordens gewesen. Dr. Nurbakhsh ist im Jahre 2008 auf seinem Landsitz in England, in der Nähe der Stadt Banbury (Oxfordshire) verschieden, wo er die letzten Jahre seines Lebens verbrachte. Ihm folgte sein Sohn, Dr. Alireza Nurbakhsh.

„Durch die Liebe habe ich einen Ort erreicht,
wo keine Spur mehr von ihr übrig ist,
wo das „Ich" und „Du" und das Bildnis des Daseins vergessen und zurückgelassen sind"
- Dr. Javad Nurbakhsh -

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