Molana Dschelaladdin Rumi

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(geb. um das Jahr 1207 am nördlichen Rande des afghanischen Zentralmassivs, in der Stadt Balch – gest. 672 / 1273 )

Die tanzenden Derwische waren eine von RUMI begründete Sufi-Gruppe. Bei dieser Praxis, die sich auf vorislamische schamanisch-mystische Techniken zurückführen lässt, drehen sich die Sufis im Kreis um einen Shaykh, der in der Mitte steht, um Planeten zu symbolisieren, die um die Sonne kreisen. Die Tänzer werden „Liebhaber Gottes“ genannt, der Shayk „Arzt des Herzen“, „Quelle des Wissen“ oder „Entrückte Rose“. Während sie den Namen Allahs rezitieren, wirbeln die Derwische um ihre eigene Achse und drehen sich dabei gleichzeitig um ihren Meister.

Rumis Schriften sind in persischer Sprache verfasst. An seinem Meisterwerk „Mathnawi-Manawi“ schrieb er 43 Jahre. Es enthält sechs Bücher mit über 26000 Versen. Auf der Basis des Islam entstanden, enthält Rumis „Mathnawi“ ineinander verschlungene Parabeln gefüllt mit lyrischen Bildern und Symbolen.

Rumi lebte in Konya, einem der bedeutendsten Kulturzentren des vorderen Orients.

Jemand fragte:

„Was ist des Liebenden Zustand?“

Und ich sagte:

„Frag’ nicht nach solch einem Ding!

Wenn du wie ich wirst, wirst du gewisslich es sehen;
wenn sie dich rufen, dann wirst du rufen –

auch Du!"

 

Die Feder eilt im Schreiben,

kaum zu halten -
sie kam zur Liebe und musst’ gleich zerspalten.

Verstand :

ein Esel, im Morast geblieben -
Erklärung gibt für Liebe nur das Lieben
.

 

                                                                                                                                   (RUMI: Annemarie Simmel)    Der Verstand

ist unfähig zum Ausdruck der LIEBE.

Die LIEBE allein ist imstande,

die WAHRHEIT der LIEBE zu offenbaren und was es ist, ein Liebender zu sein.

Der Weg unseres Propheten ist der WEG DER WAHRHEIT.

Wenn du leben willst, so stirb in LIEBE;

STIRB IN LIEBE,

wenn du lebendig bleiben willst.

   Die Geschichte der LIEBE

musst du von der LIEBE selbst hören.

Denn wie ein Spiegel ist sie stumm und sprechend zugleich.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

   

 

 

 

                   ...Die Liebe erhob den Körper aus Staub       

bis zu den Himmeln, und selbst der Berg begann zu tanzen.

 

          O Liebender, die Liebe beseelt den Sinai:                                  

Der Sinai war liebestrunken – und Moses verlor die Besinnung.

 

           Wäre ich mit des Geliebten Lippen vereint,                                       

so sänge auch ich wie die Flöte.

 

           Denn wer getrennt ist von dem, der seine Sprache spricht,

der wird bald verstummen, auch wenn er hundert Lieder hätte.

 

            Wenn die Rose verblüht und der Garten welkt,                          

wird man das Lied der Nachtigall nicht mehr hören.

 

           Alles ist der Geliebte, der Liebende ist nur der Schleier.  

Der Geliebte lebt, tot ist der Liebende.

 

            Weh ihm, für den die Liebe keine Augen hat!                                      

Er ist verloren wie ein Vogel ohne Flügel.

 

           Wie könnte ich wissen, was vor mir ist, was hinter mir,

gäbe es nicht das Licht des Geliebten?

 

           Die Liebe wünscht, dass dies gesagt wird –

was kann der Spiegel andres tun als widerspiegeln?

 

 

 

  aus: RUMI - VON ALLEM UND VOM EINEN / FIHI MA FIHI /

übersetzt von Annemarie Schimmel

 

Wenn man sagt: Herzen legen füreinander Zeugnis ab, so bezieht sich das auf eine Rede oder ein Wort oder eine Erzählung,

die man verworren erzählt und deren Geheimnis den Leuten nicht enthüllt ist und das das gewöhnliche Volk nicht entdeckt hat.

Doch den Vollkommenen wird dieser tiefere Sinn zuteil, und sie brauchen keine Worte:

 

Wir sprachen mit der Braue

Und hörten mit den Augen.

 

Wenn das Herz Zeugnis ablegt, was braucht es noch das Zeugnis der Zunge?

Der Mann, der ein wahres Herz hat, ist eine Gesamtheit.

Wenn ihr ihn gesehen habt, habt ihr alle gesehen.

 

Wir urteilen nach dem Äußeren, und Gott beherrscht die innersten Herzenskerne.

Wahrlich Gott hat erfüllt Seinem Gesandten die Vision:

„Du wirst wahrlich in die heilige Moschee eintreten! Wenn Gott will!“(Sura 48/27).

Alle sagen: “Wir werden in die Kaaba kommen.”

Einige sagen: „Wenn Gott will, werden wir eintreten.“

Diejenigen, die sagen: „Wenn Gott will,“ sind die wahren Gottesliebenden.

Denn der Liebende sieht sich nicht als mit freier Wahl begabt, sondern weiß, dass der Geliebte handelt.

Deshalb sagt er: „wenn der Geliebte will, werde ich eintreten.“

 

Nun verstehen die Externisten die Heilige Moschee als Kaaba, zu der die Menschen gehen.

Für die Liebenden und die Erwählten Gottes jedoch ist die Heilige Moschee Vereinigung mit Gott.

So sagen sie: „Wenn Gott will, werde ich ihn erreichen und durch seinen Anblick geehrt werden.

Aber dass der Geliebte sagt: „Wenn Gott will“, ist sehr selten.

Es ist höchst selten, die Geschichte eines Fremdlings.

Man braucht einen Fremdling, der die Geschichte eines Fremdlings hören kann.

Gott hat Diener, Geliebte und sehr Geliebte, und Gott, der allerhöchste sucht sie und tut um ihretwillen alle Pflichten eines Liebenden.

So wie der Liebende sagen würde: „Wenn Gott will, komme ich an,

so sagt Gott der erhabene um dieses teuren Fremdlings willen, „Wenn Gott will.“

 

Wenn ich das interpretieren würde, verlören selbst die Heiligen, die Gott erreicht haben, den Faden.

Wie könnte man von solchen Mysterien und zuständen zu normalen Menschen sprechen?

 

Die Feder kam bis hier, dann brach sie ihren Kopf!

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Jene Liebenden, die sagen: “Wenn Gott will – das heißt,“ Der Geliebte ist verantwortlich“ –

„Wenn der Geliebte will, werde ich in die Kaaba eintreten“ – die sind in Gott untergegangen.

Es gibt keinen Raum für andere, und anderer zu gedenken ist verboten (haram).

Was für ein Platz wäre da für andere?

Denn solange du dich nicht ausgelöscht hast, passt du dort nicht hinein.

Es wohnt niemand im Hause als Gott.

Nun siehe, was Er sagt: „Seinem Gesandten die Vision“ –

Diese Vision sind die Träume der Gottesliebenden und Aufrichtigen und Sehnsüchtigen,

und ihre Deutung wird im Jenseits klar.

 

Der einen schönen Traum hier im Wachen schon erblickt,

Ist wissend – ins Auge reib´ du dir seinen Sand

 

aus MATHNAWI                                                                              © Richard Gramlich

 

                                       (3,1259)

In einem finsteren Raum war ein Elefant,

          Inder hatten ihn gebracht, um ihn vorzustellen.

Viele Leute gingen, um ihn zu sehen,

          Ein jeder in die Finsternis hinein.

Da man ihn mit dem Auge nicht sehen konnte,

          betasteten ihn in der Finsternis die Hände.

Dem einen geriet die Hand an den Rüssel.

          Er sagte: „Diese Statur ist wie ein Wasserrohr.“

Ein anderer kam mit der Hand an sein Ohr:

          Es kam ihm vor wie ein Fächer.

Als einem anderen die Hand über den Fuß streifte,

          Sagte er: „Ich merke, der Elefant ist wie eine Säule gebaut.“

Ein anderer legte die Hand auf seinen Rücken.

          Er sagte: „Der Elefant da gleicht einem Sitz.“

Auf diese Weise hat ein jeder den Teil, an den er geraten ist,

          Erkannt und ihn für das Ganze gehalten.

Vom Gesichtspunkt aus wurde ihre aussage verschieden;

          Der eine nannte ihn Dal (krumm) der andere Alif (gerade).

Wenn jeder eine Kerze in der Hand gehabt hätte,

          Wäre der Widerspruch aus ihren Worten verschwunden.

Das Auge der Sinne ist nur wie die Handfläche:

          Die Hand kann das Ganze von ihm nicht erreichen.

Eines ist das Auge des Meeres, ein anderes der Schaum (die Hand).

          Lass den Schaum (die Hand)  und schaue mit den Augen des Meeres.

 

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